Hintergrundwissen zu Infektionen bei Blut- und Krebserkrankungen

Hintergrundwissen zu Infektionen bei Blut- und Krebserkrankungen

Infektionen spielen bei Patientinnen und Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen eine zentrale Rolle. Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko für schwere Komplikationen.


Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen oder Tumorerkrankungen sind aufgrund ihrer geschwächten körpereigenen Abwehr besonders anfällig für Infektionen. Chemotherapie, Strahlentherapie oder Knochenmarktransplantationen führen häufig zu einer Abnahme wichtiger Abwehrzellen wie der neutrophilen Granulozyten. Bereits kleinste Erregerkonzentrationen können dann zu systemischen Infektionen führen.

Bakterielle Infektionen entstehen vor allem durch gramnegative Erreger, die über den Gastrointestinaltrakt oder Katheter in den Blutkreislauf gelangen. Virale Infektionen, etwa durch Herpesviren oder Respirationsviren, verlaufen bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten oft schwerer. Pilzinfektionen, vor allem mit Candida- oder Aspergillus-Arten, treten vor allem bei anhaltender Neutropenie auf und erfordern meist eine spezielle Antimykotische Therapie.

Risikofaktoren und Pathogenese

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen eine anhaltende Neutropenie (unter 500 Zellen/µl), Schleimhautschäden im Rahmen von Chemotherapien oder die Anlage zentraler Venenkatheter. Diese Eingriffe und Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder chronische Lungenleiden wirken sich zusätzlich ungünstig auf die Infektabwehr aus. Die Pathogenese richtet sich nach Eintrittspforte und Erregertyp und kann lokal begrenzt oder systemisch verlaufen.

Die Diagnostik umfasst Laboruntersuchungen wie Blutkulturen, mikrobiologische Abstriche und Antigennachweise sowie Bildgebung von Lunge oder Bauchraum. Eine rasche Identifikation des Erregers ist entscheidend für eine zielgerichtete Therapie. Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) oder die Procalcitonin-Bestimmung unterstützen die Verlaufsbeurteilung.

Präventive Maßnahmen liegen in strenger Händehygiene, aseptischer Katheterpflege und räumlichen Isolationsstrategien. Impfungen gegen Pneumokokken, Influenza und Varizellen können das Risiko schwerer Verläufe reduzieren, sollten aber frühzeitig vor geplanter Immunsuppression erfolgen. Bei Hochrisikopatienten ist eine prophylaktische Gabe von Antibiotika oder Antimykotika in Erwägung zu ziehen. Im akuten Infektionsfall ist eine zeitnahe, auf das Erregerspektrum abgestimmte antibiotische oder antimykotische Therapie erforderlich, um Komplikationen wie septischen Schock oder Organversagen zu vermeiden.